Pressemitteilung des Anästhesie-Netz Hamburg (ANH):
Podiumsdiskussion "Wie sicher sind ambulante Narkosen?"


Pressemitteilung des Anästhesie-Netz Hamburg (ANH)
 
Podiumsdiskussion in Hamburg: Wie sicher sind ambulante Narkosen?

Hamburg, 20. November 2013 –„Patienten, bei denen eine ambulante Operation geplant ist, haben häufig mehr Angst vor der Narkose als vor dem eigentlichen Eingriff.“ Mit diesen Worten eröffnete der niedergelassene Anästhesist Jörg-Michael Wennin, Vorsitzender des Anästhesie-Netzes Hamburg (ANH) am 6. November 2013 eine Podiumsdiskussion zur Sicherheit ambulanter Narkosen, zu der das ANH die beiden Experten Prof. UweSchulte-Sasse und Dr. Frank Vescia eingeladen hatte und an der etwa 60 Anästhesisten aus dem Großraum Hamburg teilnahmen.
 
Prof. Uwe Schulte-Sasse, der als strenger Kritiker defizitärer Organisationsstrukturen nicht nur in der ambulanten Anästhesie gilt, kritisierte: „Es gibt einen fatalen Trend zur Kostenreduktion, so dass Leistungen zunehmend mit zum Teilmangelhaften Sicherheitsstrukturen erbracht werden.“ Sein besonderes Augenmerk galt dabei der Überwachung im Aufwachraum nach einer Operation: „Wenn einzelnen Fällen auf fachkundiges Personal verzichtet und hier improvisiert wird, dann muss das zwar nicht immer schief gehen, es kann aber nicht immer gut gehen.“ Es gebe zwar umfangreiche Leitlinien und Empfehlungen von Seiten der Fachgesellschaften, doch es fehle an wirksamen Kontrollen und Sanktionsmöglichkeiten, mahnte Schulte-Sasse.
 
Dass es auch einzelne schwarze Schafe in der Branche gibt, stand auch für Dr. Frank Vescia nicht zur Debatte. Vescia setzt sich im Berufsverband DeutscherAnästhesisten (BDA) für Sicherheitsstandards bei ambulanten Narkosen ein. „Ich bin allerdings strikt dagegen, dass wir ein ausuferndes staatliches Kontrollsystem mit Videoüberwachung und noch mehr Bürokratie etablieren.“ Er fordert stattdessen innerärztliche Maßnahmen zur Qualitätssicherung, etwa Peer Visits nach dem Vorbild des Anästhesie-Netzes Berlin-Brandenburg. Dies sind Besuche von Fachkollegen mit anschließender gemeinsamer Auswertung, um organisatorischen Schwächen auf die Spur zu kommen. „Wenn diese Maßnahmen zertifiziert werden, dann ist dies der bessere Weg, der auch zu einer Marktbereinigung führen wird“, meinte Vescia.
 
Teilnehmer im Plenum wiesen darauf hin, dass die tragischen Zwischenfälle der vergangenen Jahre vor allem in der HNO-Chirurgie, bei zahnärztlichen Operationen und in der ästhetischen Chirurgie passiert sind. „Wir Anästhesisten müssen uns bei der Fehlersuche also vor allem auf diese drei Bereiche konzentrieren, die offenbar besonders risikobehaftet sind.“ Auch hierbei können nach Einschätzung des ANH-Vorsitzenden Wennin Peer Visits helfen: „Gegenseitige Praxisbesuche nach einem standardisierten Handbuch sind eine gute Gelegenheit, sich die eigene Betriebsblindheit bewusst zu machen, die sich – wie in jedem anderen Job auch – gelegentlich einstellt.“ Wennin betonte aber: „Aller Medienschelte zum Trotz sind wir Anästhesisten in erster Linie Ärzte, die sich um das Wohlergehen der Patienten sorgen, die sich uns anvertrauen und die wir bestmöglich durch ihre ambulante operative Therapie begleiten.“
 
Über das Anästhesie-Netz Hamburg (ANH)
Das ANH ist ein Zusammenschluss niedergelassener Anästhesisten aus Hamburg und Umgebung. Das Netz hat sich dem bundesweit tätigen Anästhesienetz Deutschland (AND) angeschlossen. Gemeinsames Ziel ist es, die Quantitätambulanter Anästhesien zu erfassen, die Qualität auch mithilfe vonPatientenbefragungen zu messen, durch Peer-Visit-Verfahren zu überprüfen und auf Basis dieser Daten zu gewährleisten sowie auch weiter zu entwickeln.
 
Kontakt zum ANH:
Jörg-Michael Wennin, Vorsitzender des ANH
Tel.: 040 42102498, Fax: 040 24822944
info(at)anaesthesie-netz-hamburg.de